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Cloud Exit für den Mittelstand: Was kostet der Ausstieg aus US-Cloud-Diensten?

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Immer mehr mittelständische Unternehmen stellen sich dieselbe Frage: Was würde es eigentlich kosten, die Abhängigkeit von US-Cloud-Diensten zu reduzieren? Die ehrliche Antwort: deutlich weniger, als die meisten erwarten — wenn man das Projekt richtig schneidet. In diesem Artikel rechnen wir vor, woraus sich die Kosten zusammensetzen und wo die typischen Fehler liegen.

Warum die Frage gerade jetzt gestellt wird

Drei Entwicklungen treiben das Thema:

  1. CLOUD Act und Rechtsunsicherheit. US-Behörden können auf Daten bei US-Anbietern zugreifen — auch wenn die Server in Frankfurt stehen. Für Unternehmen mit sensiblen Kunden- oder Gesundheitsdaten ist das ein dokumentationspflichtiges Compliance-Risiko.
  2. Steigende Lizenzkosten. Die Preise für SaaS-Abos steigen seit Jahren zuverlässig. Ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern zahlt für einen typischen US-SaaS-Stack schnell 30.000–80.000 € pro Jahr — Tendenz steigend.
  3. Ausgereifte Open-Source-Alternativen. Nextcloud, Keycloak, Metabase, n8n oder GitLab sind keine Bastellösungen mehr, sondern werden von Behörden und Konzernen produktiv eingesetzt.

Die drei Kostenblöcke eines Cloud Exit

1. Bestandsaufnahme und Priorisierung

Bevor irgendetwas migriert wird, braucht es Klarheit: Welche Dienste sind im Einsatz? Wo liegen personenbezogene Daten? Welche Abhängigkeiten bestehen zwischen den Systemen?

Diese Analyse ist der günstigste und gleichzeitig wichtigste Teil des Projekts. Als strukturiertes Assessment mit Risikobewertung und Migrationsfahrplan kostet sie typischerweise 3.000–8.000 € — und verhindert die teuerste Fehlentscheidung: alles auf einmal migrieren zu wollen.

2. Migration der priorisierten Systeme

Die eigentliche Migration läuft idealerweise in Etappen. Bewährt hat sich der Start mit einem System, das hohen Nutzen bei überschaubarem Risiko bietet — häufig Business Intelligence, Datei-Kollaboration oder Workflow-Automatisierung.

Realistische Größenordnungen pro System, produktionsreif mit Monitoring, Backups und SSL:

SystemBeispielAufwand
BI / AnalyticsMetabase statt Looker/Tableau Cloud2–4 Wochen
Datei-KollaborationNextcloud statt Microsoft 365 / Google Workspace3–6 Wochen
Workflow-Automatisierungn8n statt Zapier/Make1–3 Wochen
Identity ManagementKeycloak statt Auth0/Okta2–4 Wochen

Ein einzelnes System liegt damit je nach Datenvolumen und Integrationen meist zwischen 10.000 und 25.000 € — als Festpreisprojekt kalkulierbar.

3. Betrieb nach der Übergabe

Hier unterscheiden sich die Modelle am Markt deutlich. Viele Dienstleister rechnen mit laufenden Betriebsverträgen — das ersetzt eine Abhängigkeit durch die nächste. Unser Ansatz: Systeme so bauen und dokumentieren, dass Ihr Team sie nach einer strukturierten Übergabe selbst betreibt. Die Betriebskosten reduzieren sich dann auf Hosting (oft 100–500 € pro Monat bei einem EU-Anbieter oder im eigenen Rechenzentrum) und gelegentliche Updates.

Was die Rechnung wirklich entscheidet: die Lizenzersparnis

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Unternehmen zahlt 4.000 € pro Monat für US-SaaS-Lizenzen, die sich durch self-hosted Alternativen ersetzen lassen. Das sind 48.000 € pro Jahr. Eine Migration für 20.000 € amortisiert sich in fünf Monaten — danach spart das Unternehmen dauerhaft, besitzt seine Daten und ist auditfähig.

Die Rechnung kippt allerdings, wenn ohne Priorisierung migriert wird: Systeme mit geringem Nutzen, hohem Integrationsaufwand oder fehlenden reifen Alternativen (etwa hochspezialisierte Branchen-SaaS) gehören ans Ende der Liste — oder bewusst gar nicht migriert.

Die drei häufigsten Fehler

  1. Big Bang statt Etappen. Wer alles gleichzeitig migriert, riskiert Betriebsunterbrechungen und sprengt jedes Budget. Etappenweise Migration liefert nach jeder Phase ein nutzbares Ergebnis.
  2. Betrieb nicht mitdenken. Eine Migration ohne Dokumentation, Monitoring und Wissenstransfer erzeugt ein System, das niemand warten kann. Die Übergabe an das eigene Team muss von Anfang an Teil des Projektplans sein.
  3. Compliance als Nachgedanke. Wer migriert, ohne die DSGVO-Bewertung sauber zu dokumentieren, verschenkt den größten Vorteil des Projekts: die nachweisbare Auditfähigkeit.

Fazit: erst messen, dann migrieren

Ein Cloud Exit ist kein Mammutprojekt, wenn er richtig geschnitten wird: Assessment, priorisierte Etappen, strukturierte Übergabe. Die Gesamtkosten für einen typischen ersten Schritt — Assessment plus Migration eines Systems — liegen für ein mittelständisches Unternehmen meist unter 30.000 €, bei laufender Ersparnis ab dem ersten Tag nach Go-live.

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